Medikament gegen Covid-19? Bitte warten!
 
Apotheker-Tipp in der Kleinen Zeitung vom 9. Mai 2020
 

APOTHEKER-TIPP
von Dr. Gerhard Kobinger
Her mit einem neuen Wirkstoff oder einer Impfung gegen Sars-CoV-2, vulgo Coronavirus – und alles wird gut. So einfach ist das leider nicht. Bis ein neuer Arzneistoff als registriertes Arzneimittel in den Handel kommt, ist er üblicherweise schon 10 bis 12 Jahre alt. So lange dauert es, bis nach der Patentierung der neuen Substanz, nach zahllosen Tests und einem strengen staatlichen Zulassungsverfahren das Endprodukt als Arzneispezialität über Apotheken vertrieben werden darf. Bei einem neuen Medikament gegen Covid-19 wird das deutlich schneller gehen. Trotzdem wird es noch dauern, denn das neue Mittel soll ja auch sicher sein.
Dabei werden zunächst die Eigenschaften der Substanz erforscht und mit Computermodellen, Zellkulturen oder Organpräparaten getestet, ob und welche Wirkungen sie zeigt. Es folgen Untersuchungen zur Dosierung und mit welchen Hilfsstoffen „verpackt“ die Substanz in den Körper gebracht werden kann. Dann wird der Arzneistoff erstmals an freiwilligen gesunden Menschen erprobt, bevor er an ebenfalls freiwilligen und voll informierten Kranken angewendet wird. Auf diese Phase der klinischen Prüfungen folgt der Zulassungsantrag der Erzeugerfirma bei den Gesundheitsbehörden. Da ist wissenschaftlich gesichertes Material vorzulegen, das einerseits die Wirksamkeit und andererseits die Unschädlichkeit und Sicherheit des neuen Mittels eindeutig nachweist. All diese Vorgänge brauchen Zeit und kosten viel Geld. Das Geld wurde von der Staatengemeinschaft diese Woche schon zugesagt, die Geduld müssen wir aufbringen. Denn wie sagen alle Experten: Volle Normalität werden wir erst mit einem Medikament oder einer Impfung gegen das Coronavirus bekommen.